Jim

                                                                            

 Eigentlich müsste Jim "Two Face" heißen. Denn je nachdem von welcher Seite man ihn ansieht, sieht wer ganz anders aus.  Meine Mama sagt immer, er ist das Pferd mit den zwei Gesichtern.

           

Sein richtiger Name ist aber auch nicht Jim, sondern Freckled Champain. Aber wie würde sich das denn anhören, wenn man auf der Koppel nach ihm ruft. Deshalb hab meine Mama ihn einfach Jim genannt. Aber meistens sagt sie zu ihm "Jim-Bob" oder "Jimbo". Ich weiß auch nicht warum, aber ich glaube, sie hat früher zuviel Waltons angeschaut. Oder Bonanza. Deshalb wollte sie auch schon von kleinauf immer ein echtes "Cowboy-Pferd" haben. Aber der Opa Adolf hat immer nur "richtige" Pferde gezüchtet, so wie er das immer sagt. Dann musste sich meine Mama eben den Jim kaufen. Obwohl ich ja finde, er sieht eher wie ein Indianerpferd aus. Meine Mama sagt, er ist ein Quarter Horse. Und das klingt dann immer ganz stolz, wenn sie das sagt.

Ich finde ihn ja nicht mehr so klasse, seit er mir auf den Fuß gestanden ist. Dabei wollte ich doch nur ein wenig mit ihm Fange spielen. Und dann ist er auch noch einfach drauf stehen geblieben und hat es gar nicht gleich gemerkt. Mama ist ziemlich erschrocken und hat sich in Gedanken wahrscheinlich schon wieder überlegt, wieviel Geld sie jetzt wieder dem Tierarzt geben muss, dafür,dass er meinen Fuß wieder gesund macht. Aber, oh Wunder, meinem Fuß ist gar nichts passiert. Ich musste nicht mal hinken. Ich meine, ich hätte schon ein bisschen hinken können, aber ich bin ja ein Held, da lässt man sich so ein bisschen Schmerz doch nicht anmerken. Außerdem war es mir auch ein klein wenig peinlich.

Jedenfalls bleibe ich jetzt immer schön weit weg von den Beinen dieser Riesen. Da ist Mama auch echt froh drum. Nur der Paul hat noch nicht kapiert, wie gefährlich es ist bellend um sie rumzurennen. Wahrscheinlich muss dem auch erst mal einer auf den Fuß treten. Aber ich glaube nicht, dass der dann auch soviel Glück hätte wie ich. Deshalb ruft die Mama ihn auch immer gleich zurück. Schade eigentlich, ich hätte schon mal gerne gesehen, ob er auch so ein Held ist wie ich. Wahrscheinlich nicht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den Stall gehen wir eh sehr gerne mit, da ist immer was los. Manchmal ist auch Nugget da, aber der spielt nicht wirklich gerne mit uns. Aber Jack wohnt hier im Stall und der findets immer echt klasse, wenn wir kommen.

Nur als ich mal in die Heugabel reingerannt bin, da hatte ich ein zeitlang den Spaß am Stall verloren.

Meine Mama ist runter zur Koppel gelaufen und Jim zu füttern. Sie hatte eine Heugabel in der Hand und als ich ihr hinterher gerannt bin, habe ich die Gabel zu spät gesehen und hab mich dann voll ins Auge gepiekst. Ich bin so erschrocken, dass ich mich gar nicht gleich habe fangen lassen. Ich wollte nur einfach weg, weil das so weh getan hat. Die Mama also hinterher und sie hat sich schon vorgestellt, wie ich wohl mit einem Auge ausssehe.

So schlimm wars dann zum Glück gar nicht. Beim TA haben sie gesagt, dass es nur ein Kratzer auf der Hornhaut ist und das mit Augentropfen und Salben wieder weg geht. So wars dann auch.

Bin ich nicht ein Glückspilz?!

Auf jeden Fall halte ich mich jetzt auch immer von Gabeln fern. Wenn die Mama mistet oder Heu durch die Gegend transportiert, bleibe ich immer schön weit auf Abstand. Denn man soll sein Glück ja nicht zu oft herausfordern.