Nelly
Nachdem mein Freund Jack gestorben war, konnten sich die Oma Marliese und der Opa Adolf gar nicht richtig entscheiden, ob sie wieder einen Hund haben möchten, oder nicht.
Die Oma hat immer gesagt, dass muss der Opa entscheiden. Und der hat die Entscheidung immer der Oma überlassen.
Also hat es meine Mama entschieden, weil sie sich die beiden ohne Hund gar nicht vorstellen kann.
Sie ist dann in den ganzen Tierheimen rum gefahren und hat geschaut, ob da ein passender Hund auf ein Zuhause wartet. Fast wäre wieder ein Dobermann, so wie Jack, zu uns gekommen, aber leider war jemand anderes schneller.
Und dann stand plötzlich eine Freundin von Mama vor der Tür, mit einem kleinen, schwarzen Baby-Hund auf dem Arm. Der war zwar schon so groß, wie ich, aber erst ein paar Wochen alt. Es war ein Mädchen, und wurde in Frankreich auf einem Rastplatz ausgesetzt, weil ihre Familie sie nicht mehr haben wollten.
Und obwohl die Oma Marliese ja eigentlich auf gar keinen Fall einen Welpen haben wollte, tat ihr die Kleine so leid, dass sie sie behalten hat.
Sie wurde auf den Namen Nelly getauft und wenn ich damals schon gewußt hätte, was das mal für eine Nervensäge gibt, hätte ich alle, mir verfügbaren Mittel in Bewegung gesetzt, um Nelly´s Einzug zu verhindern.
Anfangs hat es ja noch Spaß gemacht, mit ihr zu spielen, aber inzwischen ist sie so riesig, dass Paul und ich keine Chance mehr gegen sie habe.
Im Büro rennen wir aber, wenn wir genug haben, unter der Theke durch. Da passt sie nämlich seit kurzem nicht mehr drunter durch.
Kürzlich waren Oma und Opa eine Woche im Urlaub und Nelly hat solange bei uns gewohnt. Paul und ich waren vielleicht froh, als sie wieder nach Hause gegangen ist. Dann konnten wir wenigstens wieder in unser Hundesofa liegen.
Aber obwohl sie so ne Nervensäge ist, mögen wir sie alle sehr und sind froh, dass sie nicht auf die Autobahn gelaufen und überfahren worden ist.